Schauplatz Brunngasse
Jüdischer Festsaal aus dem Mittelalter
Öffnungszeiten
Eintritt frei
Nr. 4 bis Haltestelle Rudolf-Brun-Brücke
Nr. 3 bis Haltestelle Neumarkt
von dort ca. 5 Gehminuten zum Schauplatz
Es sind keine Parkplätze vorhanden.
Parkhaus Urania, mit Behindertenparkplätzen (5 Gehminuten)
Parkplatz Zähringer, ohne Behindertenparkplatz (1 Gehminute)
Der Schauplatz Brunngasse ist aufgrund der historischen Bausubstanz nur teilweise barrierefrei. Gerne unterstützen wir Gäste mit einer Beeinträchtigung beim Besuch.
Der Schauplatz Brunngasse befindet sich im ersten Obergeschoss. Er verfügt über keinen Lift und ist nur über eine relativ lange und steile Treppe erreichbar. Während der Öffnungszeiten ist eine Person des Museumsteams anwesend, die Personen mit Beeinträchtigungen, denen es möglich ist, Treppen zu steigen, den Zugang zum Museum erleichtert. Informationen und Bilder von den Wandmalereien können über die zweisprachige Website (Deutsch und Englisch) abgerufen werden.
Die nächste Haltestelle zum Museum ist Rudolf-Brun-Brücke, wo Menschen mit Gehbeeinträchtigungen selbstständig ein- und aussteigen können. Tram Nr. 4 fährt vom Zürich HB bzw. vom Bahnhof Tiefenbrunnen dorthin. In der Regel verfügt jedes zweite Tram über einen Niederflureinstieg. Die Zugangsstrassen zum Schauplatz verfügen über leichte Steigungen, sind teilweise kopfsteingepflastert und uneben.
Das Parkhaus Urania verfügt über Behindertenparkplätze und ist 450 m vom Museum entfernt. Die Zugangsstrassen zum Schauplatz verfügen über leichte Steigungen, sind teilweise kopfsteingepflastert und uneben.
Für Menschen mit Sehbeeinträchtigung gibt es im Museum keine taktilen Orientierungspunkte. Der Boden ist teilweise uneben. Es empfiehlt sich, das Museum mit Begleitung zu besuchen. Vor Ort sind die Wandmalereien auch über die Vermittlung durch die Aufsichtsperson oder Audioguides erlebbar. Führ- und Assistenzhunde sind im Schauplatz Brunngasse willkommen.
Teile des schriftlichen Infomaterials vor Ort sind auf Deutsch und Englisch verfasst. Die Aufsichtsperson kann sich mit den Besuchenden auf Deutsch und Englisch verständigen.
Eine übersichtliche Zusammenstellung zur Zugänglichkeit und Barrierefreiheit des Schauplatzes Brunngasse findet sich auf der Ginto-App.
Möchten Sie in einer privaten Gruppe die historischen Hintergründe der Wandmalerei vertieft entdecken? Dann buchen Sie eine Führung (ca. eine Stunde), auf der Sie spannende Facetten der Geschichte des Schauplatzes Brunngasse und seiner ehemaligen Bewohner*innen kennenlernen.
Jüdisches Leben im mittelalterlichen Zürich
Angebot für Schulklassen der Sekundarstufe I und II
Der Schauplatz Brunngasse als ausserschulischer Lernort bietet einen idealen Einstieg in die mittelalterliche Geschichte Zürichs. Die Schüler*innen erkunden auf einem kurzen Rundgang die Altstadt und Orte der Religionsausübung. Danach findet anhand von fünf Themen, Religion, Macht, Frau, Liebe und Musik, eine interaktive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Schauplatzes statt.
Das Schulangebot eröffnet einen Diskussionsraum und gibt Einblicke auf das Zusammenleben von Bevölkerungsgruppen mit unterschiedlichen Religionsrichtungen.
Während der Führung beschäftigen sich die Schüler*innen auch mit bedrückenden Themen, wie der Zerstörung der ersten jüdischen Gemeinde Zürichs.
Das Schulangebot ist auf den Lehrplan 21 (RKE 3.2.a–c, RKE 4.1.a–c, RKE 4.2.a–d, RKE 4.3.c, RKE 4.4.a–d, RKE 4.5.a) sowie den Rahmenlehrplan für Gymnasien abgestimmt.
Rundgang
Die 90-minütige interaktive Führung beginnt auf der Polyterrasse und endet am Schauplatz Brunngasse.
Kosten
CHF 150.—
Die Audiofiles wurden in Zusammenarbeit mit Letsmuseeum erarbeitet.
An der Froschaugasse 4 befand sich vom 13. bis 15. Jahrhundert der religiöse Versammlungsraum der ersten und der zweiten jüdischen Gemeinde. 1349 wurde die erste jüdische Gemeinde infolge des Vorwurfs der Verbreitung der Pest vernichtet. Eine zweite jüdische Gemeinde existierte bis zur Ausweisung aller jüdischen Bewohner*innen aus Zürich im Jahr 1436. Das Haus, die «Judenschuol», gelangte in christlichen Privatbesitz. Im 18. Jahrhundert wurde das Haus in «Burghof» umbenannt.
Es ist belegt, dass im Mittelalter während der Siedlungsperiode der zweiten Gemeinde (1350–1436) ein jüdischer Friedhof existierte. Der Friedhof lag ausserhalb der Stadtmauern, die genaue Verortung ist jedoch schwierig. Nach der Ausweisung der zweiten jüdischen Gemeinde 1436 wurde der Friedhof bis ins 17. Jahrhundert landwirtschaftlich genutzt. Im Judentum gilt die ewige Grabesruhe. Diese wurde nicht beachtet. Die Grabsteine wurden teilweise als Baumaterial verwendet. Auf dem Areal wurde ab 2015 ein Erweiterungsbau des Kunsthauses Zürich geplant. Dieser war zu Beginn umstritten, da durch die Bauarbeiten menschliche Überreste aus dieser Zeit hätten tangiert werden können.
Im Umkreis der Froschaugasse sowie der Brunngasse gab es zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert weitere jüdische Haushalte.
Ihren Namen erhielt die Brunngasse durch den ehemaligen Zübelibrunnen, den ersten Röhrenbrunnen von Zürich. Er wurde möglicherweise bereits im 13. Jahrhundert angelegt. Über Röhren, die in der Mundart «Zuben» oder «Tubi» genannt wurden, wurde Quellwasser vom Zürichberg in die Zürcher Altstadt geleitet.
Das Haus an der Froschaugasse 10 wurde vor 1349 vom Juden Moyse von Bern bewohnt. Eine Urkunde von 1350 dokumentiert den Verkauf des Hauses an den Bürgermeister Rudolf Brun. Dieser Verkauf kann als unmittelbare Folge des Pogroms angesehen werden. In einer späteren Verkaufsurkunde von 1359 ist Frau Minne als Nachbarin aufgeführt. Sie hatte die Verfolgung überlebt, nach 1359 verlaufen sich aber ihre Spuren.
Um 1400 kauften Mitglieder der zweiten jüdischen Gemeinde die Häuser an der Froschaugasse 1 und 3 sowie am Rindermarkt 23. Die Froschaugasse 3 wird in den historischen Quellen bis 1417 als «Jsrael, juden hus» bezeichnet. 1436 wurden alle Mitglieder der zweiten jüdischen Gemeinde vertrieben. Hans Altenburg erwarb diesen Häuserkomplex. Auf ihn geht der heutige Name «Zur Hinteren Alten Burg» zurück.
Dieses Haus befindet sich an der Brunngasse 2, Ecke Niederdorfstrasse 8/10. Das Gebäude stammt aus dem 12. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert war es im Besitz der Familie Manesse. Der 1304 verstorbene Rüdiger II. Manesse hatte die Produktion des «Codex Manesse» veranlasst, einer umfangreichen Sammlung von Minneliedern. Um 1400 verkaufte ein Nachkomme das Haus an Abraham Spyr, ein Mitglied der zweiten jüdischen Gemeinde.
Dieses Haus befindet sich an der heutigen Brunngasse 6. 1345 wurde die Nachbarliegenschaft an der Brunngasse 8 verkauft. Durch diese Urkunde ist indirekt belegt, dass auch hier ein Jude, Jakob von Klingnau, lebte. Wahrscheinlich wurde er ebenfalls im Pogrom von 1349 getötet. So wie die Brunngasse 8 kam auch die Brunngasse 6 einige Jahre nach dem Pogrom in den Besitz des Johanniterordens.
Dieses Haus befindet sich an der Brunngasse 8 und ist zentraler Gegenstand des Schauplatzes Brunngasse. Es ist der einzige Wohnraum einer jüdischen Familie aus dem Mittelalter, der in Europa erhalten ist. Die Wandmalereien lassen sich aufgrund hebräischer Inschriften direkt auf die Familie von Frau Minne zurückführen.
Der Schauplatz Brunngasse ist Teil der Archäologischen Fenster.
Der Minnesänger Johannes Hadlaub wurde um 1300 als Bürger Zürichs urkundlich erwähnt. 1302 kaufte Hadlaub eine Liegenschaft am Neumarkt 1, wo er bis zu seinem Tod 1340 lebte. Hadlaub könnte an der Zusammenstellung des «Codex Manesse» beteiligt gewesen sein. Er selbst ist in dieser Handschrift als Minnesänger aufgeführt. Die Buchmalerei im Codex und die Wandmalereien an der Brunngasse, die sich stark ähneln, sind Zeugnis einer Nostalgie von vergangenen Hochzeiten von Rittern, Minnesängern und Edeldamen.
Ursprünglich hiess die 1913 fertiggestellte Brücke Uraniabrücke – aufgrund der Nähe zur Urania-Sternwarte. Es herrschte jedoch von Anfang an Unzufriedenheit in Bezug auf den ungewöhnlichen Namen. 1951 wurde die Brücke nach Rudolf Brun umbenannt. Dieser hatte sich 1336 in der «Brun’schen Zunftrevolution» zum ersten Bürgermeister und Alleinherrscher Zürichs erklärt. In seine Amtszeit fiel auch das Pogrom gegen die erste jüdische Gemeinde Zürichs 1349. Es gab in jüngerer Vergangenheit zwei politische Vorstösse für eine erneute Umbenennung mit Bezug auf Frau Minne oder Moses ben Menachem. Beide Postulate waren erfolglos.